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Radon
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Radon ​[⁠ˈʁaːdɔn⁠]​, auch: ​[⁠ʁaˈdoːn⁠]​ (wie Radium wegen seiner RadioaktivitĂ€t von lateinisch radius „Strahl“) ist ein radioaktives chemisches Element mit dem Elementsymbol Rn und der Ordnungszahl 86. Im Periodensystem steht es in der 8. Hauptgruppe, bzw. der 18. IUPAC-Gruppe und zĂ€hlt damit zu den Edelgasen (daher die Endung -on als Analogiebildung).

Alle Isotope des Radons sind radioaktiv. Das stabilste Isotop ist 222Rn mit einer Halbwertszeit von 3,8 Tagen; es entsteht als Zerfallsprodukt aus dem Radium-Isotop 226Ra. Zwei andere natĂŒrliche Isotope, 219Rn und 220Rn, wurden frĂŒher mit den Trivialnamen Actinon (An) bzw. Thoron (Tn) bezeichnet. Das vierte natĂŒrliche Isotop 218Rn spielt im Vergleich zu den drei vorgenannten mengenmĂ€ĂŸig keine Rolle.

Wenn sich Radon in schlecht belĂŒfteten geschlossenen RĂ€umen ansammelt (im Gegensatz zur natĂŒrlichen Umgebung), ergibt sich eine erhebliche Radonbelastung, die eine Gefahr fĂŒr die Gesundheit darstellt. Die hauptsĂ€chliche Gefahrenquelle sind letztlich nicht das Radon selbst, sondern seine Zerfallsprodukte, wobei Polonium-Isotope am meisten zur Belastung durch Alphastrahlung beitragen. Radon hat am gesamten Strahlungsaufkommen auf der ErdoberflĂ€che den bei weitem grĂ¶ĂŸten Anteil (durchschnittliche effektive Dosis pro Person in Deutschland: etwa 1,1 mSv/Jahr), gefolgt von der direkten terrestrischen Strahlung mit ca. 0,4 mSv/Jahr, der direkten kosmischen Strahlung und den natĂŒrlicherweise in der Nahrung vorkommenden radioaktiven Stoffen mit je etwa 0,3 mSv/Jahr.

Contents

‱ Geschichte
‱ Vorkommen
‱ Gewinnung
‱ Isotope
‱ Bedeutung
‱ Siehe auch
‱ Literatur
‱ Weblinks

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Geschichte

Obwohl hÀufig Friedrich Ernst Dorn als Entdecker des Radiums gilt, wurde es zunÀchst von Ernest Rutherford entdeckt.cite-ref-8[8] Ab 1899 untersuchte Rutherford Thorium und entdeckte, dass die Strahlung im Gegensatz zu der des Urans nicht konstant war, sondern schwankte, was von leichten Luftbewegungen hervorgerufen wurde und dass dies von einem inerten radioaktiven Gas verursacht wurde, das er Emanation nannte. Er konnte zudem eine Halbwertszeit der Emanation von 60 Sekunden bestimmen.cite-ref-9[9]cite-ref-10[10] Ernst Dorn wiederholte 1900 Rutherfords Experimente und erweiterte sie auf die Elemente Polonium und Radium. Dabei fand er, dass auch Radium eine Emanation abgab.cite-ref-11[11] 1903 entdeckte André-Louis Debierne, dass auch Actinium Emanation abgab.cite-ref-12[12]

Bald darauf wurde erkannt, dass alle drei Emanationen unreaktive Gase sind, die keinerlei chemische Reaktionen eingehen, wie es vorher nur von den Edelgasen bekannt war.cite-ref-14[13.1] Trotzdem wurden sie – da das Konzept der Isotope noch nicht bekannt war – zunĂ€chst als getrennte Elemente behandelt und dementsprechend als Radium-Emanation (RaEm), Thorium-Emanation (ThEm) und Actinium-Emanation (AcEm) bezeichnet. Diese entsprechen nach heutigen Schreibweisen 222Rn (RaEm), 220Rn (ThEm) und 219Rn (AcEm).cite-ref-thornton-15-0[14] Als Mitglieder verschiedener Zerfallsreihen wurden die Emanationen intensiv erforscht. So wurde erkannt, dass die Thorium-Emanation nicht direkt aus Thorium entsteht, sondern es noch mehrere Zwischenglieder gibt, was bei Radium und Actinium nicht der Fall ist.cite-ref-16[13.2] Die meisten Untersuchungen wurden dabei mit Radium-Emanation durchgefĂŒhrt, sowohl weil diese in grĂ¶ĂŸeren Mengen verfĂŒgbar war als auch auf Grund der lĂ€ngeren Halbwertszeit gegenĂŒber den anderen beiden Emanationen.cite-ref-17[13.3] Nachdem Rutherford schon 1903 Radium-Emanation kondensieren konnte, bestimmten 1909 Robert Whytlaw-Gray und William Ramsay den Schmelzpunkt und den kritischen Punkt, sowie im folgenden Jahr die Dichte der Substanz.cite-ref-18[15]cite-ref-19[16]

Es wurden eine Reihe von Namen fĂŒr die Emanationen vorgeschlagen. 1904 nannten William Ramsay und John Norman Collie sie Exradio, Exthorio and Exactinio, 1910 schlugen Ramsay und Whytlaw-Gray Niton (nach dem lateinischen nitens „leuchtend“, da es im Dunklen Licht abgibt) fĂŒr die Radium-Emanation vor, was zwar im darauffolgenden Jahr auch vom International Committee on Atomic Weights akzeptiert wurde, sich aber nicht durchsetzte. Nach der Entdeckung der Isotope und der Ordnungszahl 1913 durch Frederick Soddy bzw. Henry Moseley stand zwar fest, dass es sich um ein einziges Element handeln muss, allerdings wurden noch lĂ€ngere Zeit getrennte Bezeichnungen fĂŒr die Isotope verwendet.cite-ref-thornton-15-1[14] 1918 schlug Curt Schmidt die Bezeichnungen Radon, Thoron und Akton fĂŒr die drei Emanationen vor.cite-ref-20[17] Dies wurde 1923 von der IUPAC ĂŒbernommen. Bis sich aber ein einzelner Name fĂŒr das Element durchsetzte, dauerte es noch einige Jahre. 1931 schlugen Marie Curie, Rutherford, Debierne und weitere vor, den ursprĂŒnglich von Rutherford geprĂ€gten Namen Emanation (Em) zu verwenden. Doch auch dieser setzte sich nicht durch, stattdessen wurde ĂŒberwiegend Radon als Name verwendet. 1957 Ă€nderte schließlich die IUPAC die Definition des Radons vom Namen eines Isotops zu dem des Elementes.cite-ref-thornton-15-2[14]

Schon Jahrhunderte zuvor zeigten sich die Auswirkungen des Radons auf die menschliche Gesundheit. 1470 wurden in Schneeberg im Erzgebirge große Mengen Silbererze gefunden und zahlreiche Bergwerke erschlossen. Anfang des 16. Jahrhunderts bemerkten Ärzte wie Georgius Agricola und Paracelsus, dass viele Bergleute im Schneeberger und auch im nahen Joachimsthaler Revier insbesondere an Lungenkrankheiten starben. Sie vermuteten StĂ€ube oder metallische Gase, die sich in der Lunge ablagerten als Ursache fĂŒr die Bergsucht genannte Krankheit.cite-ref-21[18] Ab dem 18. Jahrhundert wurde festgestellt, dass die Krankheit in Schneeberg anders verlief als in anderen Revieren, da sie schon sehr junge Bergleute betraf, rasch verlief und stets tödlich ausging. Ab 1850 untersuchten die Schneeberger Ärzte F. H. HĂ€rting und W. Hesse diese Schneeberger Lungenkrankheit, die fĂŒr 75 % der TodesfĂ€lle unter Bergleuten verantwortlich war und fanden 1878 heraus, dass es sich um Lungenkrebs handelte. Die genaue Ursache blieb jedoch unbekannt, vermutet wurden unter anderem ein Zusammenhang mit Arsen oder Silikosen. Ab 1907 kam auch Emanation (Radon) als Ursache in Betracht, da Carl Schiffner hohe Gehalte in Schneeberger SchĂ€chten feststellte und auch die krebserregende Wirkung ionisierender Strahlung mittlerweile bekannt war. Nach vielen Untersuchungen konnte schließlich 1939 Boris Rajewsky nachweisen, dass Radon fĂŒr den Lungenkrebs unter Bergleuten verantwortlich ist. 1940 wurde in St. Joachimsthal erstmals Grenzwerte fĂŒr die Radonbelastung von Bergleuten erlassen, 1944 folgte Schneeberg.cite-ref-22[19]

Schon bald nach Entdeckung des Radons wurden auch positive Auswirkungen des Radons auf die Gesundheit untersucht. Vor allem in Form von Bade- und Trinkkuren sollte die Radontherapie positive Auswirkungen auf Krankheiten wie Arthrose oder Rheuma haben. Sogenannte RadiumbÀder entstanden unter anderem in Bad Gastein, Bad Brambach, Oberschlema oder Bad Kreuznach.cite-ref-23[20]

Vorkommen

Im Mittel findet sich in der ErdatmosphĂ€re ein Radonatom auf 1021 MolekĂŒle in der Luft. Die Quellen des Radons sind im Gestein und im Erdreich in Spuren vorhandenes Uran und Thorium, die langsam zerfallen. In deren Zerfallsreihen wird das Radon gebildet. Dieses diffundiert dann aus den obersten Bodenschichten in die AtmosphĂ€re, ins Grundwasser, in Keller, Rohrleitungen, Höhlen und Bergwerke. Radon aus tiefergelegenen Erdschichten erreicht nicht die OberflĂ€che, da es bereits auf dem Weg dorthin zerfĂ€llt.

Radon kommt deswegen vermehrt in Gebieten mit hohem Uran- und Thoriumgehalt im Boden vor. Dies sind hauptsĂ€chlich die Mittelgebirge aus Granitgestein, in Deutschland vor allem der Schwarzwald, der Bayerische Wald, das Fichtelgebirge und das Erzgebirge, in Österreich das Granitbergland im Waldviertel und MĂŒhlviertel. Hier finden sich vor allem saures und helles, sog. leukokrates Gestein. Insgesamt kommt Radon in SĂŒddeutschland in wesentlich höherer Konzentration vor als in Norddeutschland. In der Schweiz ist vor allem der Kanton Tessin eine ausgeprĂ€gte Radon-Gegend;cite-ref-24[21] in Belgien ist es der östliche und sĂŒdöstliche Teilcite-ref-25[22] (siehe Limburger Steinkohlerevier).

Weitere Orte, an denen Radon in relativ hohen Konzentrationen vorkommt, sind neben Uranerz-, Flussspat- oder Bleibergwerken und Halden und Absetzbecken des Uranbergbauscite-ref-26[23] auch Laboratorien und Fabriken, in denen Uran, Radium oder Thorium gehandhabt werden.

Als Gas mit sehr hoher Dichte kann sich Radon in GebĂ€uden, besonders in Kellern und den unteren Stockwerken, in physiologisch bedeutsamen Mengen ansammeln. In GebĂ€uden, in denen Baumaterialien wie ungebrannter Lehm verwendet werden, kommen grĂ¶ĂŸere Radonmengen auch in den oberen Stockwerken vor.cite-ref-spiegel-27-0[24]

Gewinnung

Wenn die radioaktiven Substanzen zu Radon zerfallen, kann dieses ausgasen. In einem Labor kann man das aus einer Probe entweichende Radon auffangen und durch VerflĂŒssigen von der Restluft trennen.cite-ref-hoffmann-28-0[25] Beim Zerfall eines Gramms 226Ra entstehen 0,64 cm3 222Rn pro Monat.cite-ref-29[26]

Chemische Eigenschaften

Wie alle Edelgase ist Radon chemisch fast nicht reaktiv; mit Fluor reagiert es zu Radondifluorid, ob Verbindungen mit Sauerstoff beobachtet wurden, ist umstritten.cite-ref-30[27] Unter Normalbedingungen ist Radongas farblos, geruchlos, geschmacklos; beim AbkĂŒhlen unter seinen Schmelzpunkt wird es leuchtend gelb bis orange. Als FĂŒllung in Gasentladungsröhren erzeugt Radon rotes Licht.cite-ref-hoffmann-28-1[25] Außerdem ist es mit 9,73 kg·m−3 das mit Abstand dichteste elementare Gas, wenn man vom exotisch raren Astat und heißem zweiatomigen Iod-Dampf absieht.

Wie das leichtere gruppenhomologe Xenon ist Radon in der Lage, echte Verbindungen zu bilden. Es kann erwartet werden, dass diese stabiler und vielfĂ€ltiger sind als beim Xenon. Das Studium der Radonchemie wird durch die hohe spezifische AktivitĂ€t des Radons sehr behindert, weil die energiereiche Strahlung zur Selbstzersetzung (Autoradiolyse) der Verbindungen fĂŒhrt. Eine Chemie mit wĂ€gbaren Mengen dieser Stoffe ist daher nicht möglich. Ab-initio- und Dirac-Hartree-Fock-Berechnungen beschreiben einige Eigenschaften des noch nicht synthetisierten Radonhexafluorids (RnF6).cite-ref-31[28]

Die Löslichkeit des Isotops Rn-222 in Wasser betrÀgt unter Standardbedingungen (20 °C und 101,325 kPa) 259 ml/l.cite-ref-32[29]

Isotope

Von Radon sind 39 Isotope (193Rn – 231Rn) und 4 Kernisomere bekannt, die alle radioaktiv sind. Außergewöhnlich ist dabei, dass die lĂ€ngerlebigen Isotope nicht benachbarte Massenzahlen haben, sondern sich in zwei getrennten Bereichen befinden: Halbwertszeiten ĂŒber 20 Minuten haben die Isotope mit den Massenzahlen 208
212 und 221
224. Dies lĂ€sst sich durch das Schalenmodell erklĂ€ren: Die stabilsten Radon-Kerne wĂ€ren eigentlich um die Massenzahl 218 zu erwarten (wie man in der Nuklidkarte sieht), aber 212Rn hat mit 126 Neutronen eine abgeschlossene Schale (Magische Zahl); zusĂ€tzliche Neutronen sind schwĂ€cher gebunden.

In den drei natĂŒrlichen Zerfallsreihen kommen nur die vier Isotope 222Rn, 220Rn, 219Rn und 218Rn vor, welche alle Alphastrahler sind. Daneben entsteht in der heute kĂŒnstlichen Neptunium-Reihe der Alphastrahler 217Rn.

‱ Radon 222Rn ist das Zerfallsprodukt des Radiumisotops 226Ra in der Uran-Radium-Reihe. Es ist das stabilste Radonisotop und zerfĂ€llt unter Aussendung von Alphateilchen mit einer Halbwertszeit von 3,823 Tagen zu Polonium 218Po. Wenn StrahlenschĂŒtzer von Radon ohne weitere Bezeichnung sprechen, meinen sie 222Rn. Allgemein angewendet (z. B. Radon-Messung), schließt der Begriff auch die kurzlebigen Zerfallsprodukte ein.

‱ thoronRadon 220Rn ist ein Zerfallsprodukt des Radium 224Ra in der Thorium-Reihe. StrahlenschĂŒtzer bezeichnen es auch als Thoron. Seine Halbwertszeit betrĂ€gt 55,6 Sekunden; es zerfĂ€llt ebenfalls unter Aussendung von Alphateilchen zu Polonium 216Po. Es kann von ungebranntem Lehm in GebĂ€uden emittiert werden.cite-ref-spiegel-27-1[24] Es kann im Hinblick auf die Strahlenbelastung sehr bedeutend sein, da bei gleicher AktivitĂ€tskonzentration wie 222Rn aus den 220Rn-Folgeprodukten (vor allem Polonium-212) eine 14-fach höhere Strahlenbelastung zu beachten ist.cite-ref-physikalisch-technische-bundesanastalt-33-0[30] In einer Studie, in der Thoron und seine Folgeprodukte in mehreren traditionellen und modernen WohnhĂ€usern in Deutschland gemessen wurden, verursachten sie einen jĂ€hrlichen Beitrag zur Strahlendosis der Bewohner von bis zu mehreren Millisievert.cite-ref-34[31]

‱ Radon 219Rn ist ein Zerfallsprodukt des Radium 223Ra in der Uran-Actinium-Reihe und trĂ€gt auch die Bezeichnung Actinon. Seine Halbwertszeit betrĂ€gt 3,96 Sekunden; es zerfĂ€llt ebenfalls unter Aussendung von Alphateilchen zu Polonium 215Po. Radiologisch ist es praktisch bedeutungslos.

‱ Radon 218Rn entsteht in einer Seitenkette der Uran-Radium-Reihe beim Zerfall des Astat 218At mit einer Wahrscheinlichkeit von 0,1 %, das Astat selbst entsteht nur mit einer Wahrscheinlichkeit von 0,02 % aus Polonium 218Po. Radon 218Rn zerfĂ€llt mit einer Halbwertszeit von nur 35 Millisekunden unter Aussendung von Alphateilchen in Polonium 214Po. Durch seine extrem kurze Halbwertszeit hat es praktisch keine Zeit, um in die ErdatmosphĂ€re zu kommen. Radiologisch ist es deshalb bedeutungslos.

‱ Radon 217Rn entsteht in einer Seitenkette der Neptunium-Reihe beim Zerfall des Radium 221Ra, das Radium selbst entsteht nur mit einer Wahrscheinlichkeit von 0,1 % aus Francium 221Fr. Die restlichen 99,9 % des 221Fr zerfĂ€llt zu Astat 217At, das mit 0,01 % Wahrscheinlichkeit ebenfalls zu Radon 217Rn zerfĂ€llt. Das Radonisotop entsteht daher auf zwei Wegen in geringer Menge in der Neptunium-Reihe und zerfĂ€llt mit einer Halbwertszeit von nur 54 Millisekunden unter Aussendung von Alphateilchen in Polonium 213Po. Es kommt natĂŒrlich wegen der extrem kurzen Halbwertszeit praktisch nicht vor und ist somit bedeutungslos.

Bedeutung

In der medizinischen Radonbalneologie soll Radon das menschliche Immunsystem stimulieren und dadurch Krankheiten lindern. Aus naturwissenschaftlicher Sicht lĂ€sst sich keine positive Wirkung des Radons nachweisen. Das Radon gelangt durch die Inhalation hochaktiver radonhaltiger Luft oder in WannenbĂ€dern durch die Haut in den menschlichen Organismus. Unter Aspekten des Strahlenschutzes ist die zusĂ€tzliche Strahlenexposition durch Radon zwar gering, jedoch nicht vernachlĂ€ssigbar.cite-ref-35[32] Das Umweltbundesamt sieht fĂŒr die Radonbalneologie Kontraindikationen fĂŒr die Anwendung bei Kindern und Jugendlichen sowie Schwangeren.cite-ref-36[33]

Manche Heilquellen besitzen einen bedeutenden Radonanteil. HĂ€ufig befinden sich hier Kurorte, wie beispielsweise Bad Gastein, Bad Kreuznach, Bad Schlema, Bad Steben, Bad Zell, Ischia im Golf von Neapel, JĂĄchymov (Sankt Joachimsthal), Menzenschwand, Meran, Sibyllenbad und Umhausen im Ötztal.cite-ref-37[34] Bad Brambach verfĂŒgt mit der Wettinquelle ĂŒber die stĂ€rkste zu Trinkkuren genutzte Radonquelle der Welt.cite-ref-38[35]

In der Hydrologie kann der Radongehalt eines GewĂ€ssers Aufschluss ĂŒber dessen Grundwasserversorgung geben. Regenwasser enthĂ€lt fast kein Radon, OberflĂ€chenwasser ist ebenfalls nahezu radonfrei, da Radon von dort schnell in die AtmosphĂ€re ĂŒbergeht. Grundwasser hingegen weist Radonkonzentrationen auf, die um GrĂ¶ĂŸenordnungen ĂŒber denen von OberflĂ€chenwĂ€ssern liegen. Daher ist ein hoher Gehalt an Radon im OberflĂ€chenwasser ein Anzeiger fĂŒr den Einfluss von Grundwasser.

In mehreren LĂ€ndern stĂŒtzt sich die Erdbebenvorhersage auch auf Radonmessungen. Leichte ErschĂŒtterungen des Erdreiches sorgen fĂŒr eine schnellere Ausbreitung des in der Erde entstehenden Radongases als unter normalen Bedingungen. In unterirdischen HohlrĂ€umen steigt dadurch die Radonkonzentration messbar an.cite-ref-39[36]

Radonmessungen helfen bei der Suche nach Uranerz-LagerstĂ€tten. Die GrĂ¶ĂŸe der Radonexhalation, also die Menge des aus dem Boden austretenden Radongases, hĂ€ngt vom Radiumgehalt und der PorositĂ€t des Untergrundes ab. WĂ€hrend der Uranprospektion werden auf großen Gebieten einfache, passiv arbeitende RadonmessgerĂ€te auf der ErdoberflĂ€che oder dicht darunter ausgelegt. Überdurchschnittliche Messwerte weisen auf höhere Uran/Radium-Konzentrationen und BodenporositĂ€t und damit auf eine mögliche LagerstĂ€tte hin. Es gibt geologische Prozesse, die Uran und das daraus entstandene Radium voneinander trennen. Deshalb ist der Hinweis auf Uran nicht eindeutig.

Sicherheitshinweise

Einstufungen nach der CLP-Verordnung liegen nicht vor, weil diese nur die chemische GefÀhrlichkeit umfassen, die bei Edelgasen nicht auftritt. Wichtig sind die auf der RadioaktivitÀt beruhenden Gefahren.

Nach Studien der Weltgesundheitsorganisation nimmt das Auftreten von Lungenkrebs bei Radon in Raumluft linear zu, der von der WHO empfohlene Langzeitgrenzwert liegt bei 100 Bq pro Kubikmeter Raumluft. Die Wahrscheinlichkeit fĂŒr Lungenkrebs steigt in NĂ€herung mit der Zunahme um 100 Bq/mÂł in der Raumluft um 10 %.cite-ref-40[37]

2018 wurden im Bundesland Salzburg in Österreich in 3.400 Wohnobjekten Radon-Messungen durchgefĂŒhrt und ermittelt, dass in 10 % der Wohnungen ein Grenzwert von 300 Bq pro Kubikmeter Luft ĂŒberschritten wird.cite-ref-41[38]

Siehe auch
Literatur

‱ A. F. Holleman, E. Wiberg, N. Wiberg: Lehrbuch der Anorganischen Chemie. 102. Auflage. Walter de Gruyter, Berlin 2007, ISBN 978-3-11-017770-1, S. 417–429.
‱ Henning von Philipsborn: Radon und Radonmessung. Teil I. In: Die Geowissenschaften, 8, 1990, 8, S. 220–228, doi:10.2312/geowissenschaften.1990.8.220. Teil II. In: Die Geowissenschaften, 8, 1990, 10, S. 324–338, doi:10.2312/geowissenschaften.1990.8.324.

Weblinks

Commons

: Radon

– Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Wiktionary: Radon

– BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

‱ radon-einfach.de: Wissenswertes zu Radon
‱ Bundesamt fĂŒr Strahlenschutz, bfs.de: Radon
‱ Bayerisches Landesamt fĂŒr Umwelt, lfu.bayern.de: Radon in GebĂ€uden
‱ Schweizerisches Bundesamt fĂŒr Gesundheit, bag.admin.ch: Radon
‱ Radonkarte fĂŒr Österreich: ErlĂ€uterungen, Karte der Radonbelastung in Österreich

Einzelnachweise

cite-note-harry-h-binder-11. Harry H. Binder: Lexikon der chemischen Elemente, S. Hirzel Verlag, Stuttgart 1999, ISBN 3-7776-0736-3.
cite-note-22. Die Werte fĂŒr die Eigenschaften (Infobox) sind, wenn nicht anders angegeben, aus www.webelements.com (Radon) entnommen.
cite-note-33. Manjeera Mantina, Adam C. Chamberlin, Rosendo Valero, Christopher J. Cramer, Donald G. Truhlar: Consistent van der Waals Radii for the Whole Main Group. In: J. Phys. Chem. A. 2009, 113, S. 5806–5812, doi:10.1021/jp8111556.
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cite-note-nv-77. Die von der RadioaktivitÀt ausgehenden Gefahren gehören nicht zu den einzustufenden Eigenschaften nach der GHS-Kennzeichnung. In Bezug auf weitere Gefahren wurde dieses Element entweder noch nicht eingestuft oder eine verlÀssliche und zitierfÀhige Quelle hierzu wurde noch nicht gefunden.
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8. E. Rutherford: Die RadioaktivitÀt. Springer, 1907, ISBN 978-3-642-51417-3.
cite-note-thornton-1514. ↑ Brett F. Thornton, Shawn C. Burdette: Recalling radon’s recognition. In: Nature Chemistry. Band 5, 2013, S. 804, doi:10.1038/nchem.1731.
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